Konzept

Mit Jetzt! Junge Malerei in Deutschland unternehmen das Kunstmuseum Bonn, das Museum Wiesbaden und die Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser erstmals in dieser Breite den Versuch, den aktuellen Stand der Malerei zu bestimmen. Ziel aller drei Häuser ist es, einen gültigen Querschnitt durch die junge Malerei zu geben, die in den letzten Jahren in Deutschland produziert wurde, und dabei alle Erscheinungsformen des Mediums ohne konzeptuelle oder ideologische Einschränkungen zu berücksichtigen. Wir freuen uns in diesem Zusammenhang sehr, dass sich die Deichtorhallen Hamburg entschlossen haben, diese Gemeinschaftsausstellung im Anschluss zu übernehmen.

Drei zentrale Prämissen leiten dieses Projekt: Erstens beschränkt sich die Auswahl auf Positionen, die ihre Auseinandersetzung mit dem Medium tatsächlich auf der begrenzten Fläche des Bildgevierts austragen. In der Konsequenz bedeutet das einen bewussten Verzicht auf alle Spielarten des erweiterten Bildes, auf malerisch angelegte rauminstallative Interventionen oder multimediale Malerei-ohne-Malerei-Explorationen. Diese Konzentration erscheint uns essentiell, um tatsächlich zu belastbaren Aussagen zu kommen, welche Möglichkeiten das gemalte Bild – gerade vor dem Hintergrund einer umfassenden Digitalisierung – heute noch hat. Mehr noch: Angesichts einer noch nie dagewesenen Ausweitung künstlerischer Praxis in alle Lebensbereiche stellt sich grundsätzlich die Frage, ob eine ebenso konsequent betriebene Expansion der Malerei dem Medium aktuell überhaupt die entscheidenden neuen Impulse vermitteln kann oder ob nicht die eigentlich konzeptuell virulente Stelle der Malerei tatsächlich heute eher wieder dort zu suchen ist, wo sich die Malerei mit ihrer strukturellen Begrenztheit auf den flachen Bildträger auseinandersetzen muss.

Die zweite Prämisse betrifft das Alter der Teilnehmer*innen, das die Jahrgänge 1979 und jünger umfasst und damit das Maximalalter auf 40 Jahre festlegt. Damit bewegen wir uns innerhalb der ersten Generation, die im Wesentlichen nicht mehr mit der Erfahrung des geteilten Deutschland aufgewachsen ist. Auch dies bedeutet eine wichtige Weichenstellung für Jetzt! Ganz ausdrücklich wollen wir mit dieser Ausstellung kein historisches Panorama aufspannen und noch einmal die verschiedenen Stränge benennen, innerhalb derer sich die Entwicklung des Mediums in den beiden Teilen Deutschlands vollzogen hat. In diesem Sinne ist der Titel der Ausstellung programmatisch zu verstehen: Das Feld, das hier sichtbar wird, legitimiert sich also nicht durch seine Einbettung in den historisch gewachsenen Kontext, sondern behauptet sich als Blick auf die gegenwärtige Situation, die wiederum eigene Fragen und eigene Lösungen für das Thema des gemalten Bildes fordert.

Die dritte Voraussetzung betrifft den geografischen Rahmen unseres Untersuchungsgebietes. Dass wir uns dabei auf Deutschland beschränken, ist nicht als Hinweis auf eine gemeinsame malerische Nationalsprache zu verstehen, welche wir in den ausgewählten Positionen vermuten. Diese Entscheidung hat vielmehr rein pragmatische Gründe und resultiert aus der Notwendigkeit, das Gebiet wenigstens so weit einzugrenzen, dass die Auswahl nicht uferlos und damit beliebig wird. Zugute kommt uns dabei die in den letzten 20 Jahren – auch durch die Attraktivität Berlins – enorm gewachsene Internationalität der in Deutschland lebenden Künstler*innen, die hier zudem auf eine der dichtesten institutionellen Kunstlandschaften der Welt und ein großes Förderspektrum zurückgreifen können.

Innerhalb dieses Rahmens haben wir unsere Recherche so umfassend wie möglich angelegt. Neben der eigenen kuratorischen Kompetenz haben wir auch auf die Expertise von arrivierten Maler*innen, Kollegen*innen, Kunsthochschulen, Kunstkritiker*innen etc. zurückgegriffen, von denen wir wichtige Hinweise auf interessante künstlerische Positionen erhalten haben. Aus dem auf diese Weise entstandenen Gesamtfeld von rund 200 Positionen, wurden 53 Maler*innen ausgewählt, die jeweils mit mindestens drei Arbeiten pro Ausstellungsort in Jetzt! vertreten sein werden. In jedem der beteiligten Häuser werden damit rund 150 Arbeiten zu sehen sein. Damit wird nicht nur der Anspruch einer echten Überblicksausstellung eingelöst, die sowohl im Westen wie im Osten des Landes zu sehen ist. Die Entscheidung, jede ausgewählte Position mit mehreren Arbeiten zu zeigen, sorgt auch dafür, dass die jeweiligen Werkansätze vertieft sichtbar werden.

Kurator*innen-Team

Prof. Dr. Stephan Berg
Intendant, Kunstmuseum Bonn
Dr. Frédéric Bußmann
Generaldirektor, Kunstsammlungen Chemnitz
Dr. Jörg Daur
Stell. Direktor, Museum Wiesbaden
Dr. Alexander Klar
Kurator
Anja Richter
Kuratorin, Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser
Lea Schäfer
Wiss. Volontärin, Museum Wiesbaden
Dr. Christoph Schreier
Stell. Direktor, Kunstmuseum Bonn

Eine Kooperation von

  • Kunstmuseum Bonn
  • Museum Wiesbaden
  • Kunstsammlungen Chemnitz
  • Deichtorhallen Hamburg

Mit freundlicher Unterstützung von

  • Art Mentor Foundation Lucerne
  • Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West
  • Telekom
  • Habbel, Pohlig und Partner
  • Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Bundesstadt Bonn
  • Stadt Chemnitz
  • Kunstfreunde Bonn
  • Chemnitz Europäische Kulturhauptstadt 2025
  • Freunde des Museums Wiesbaden
  • Förderkreis Deichtorhallen
  • UBS
  • EY
  • Olympus
  • cewe